Vers 2 · Die Bilder
Eine Aue, die nie kahl gefressen wird
Der zweite Vers gibt der Versorgung des ersten zwei Bilder: Weideland und Wasser. Beide sind mit müden Tieren im Sinn gewählt — und beide meinen mehr als Landschaft.
Psalm 23, Vers 2 · Schlachter 2000 Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.
Psalm 23, Vers 2 · Lutherbibel 1912 Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Die beiden Spalten oben stehen mit Absicht nebeneinander: Beim Wasser dieses Verses gehen die deutschen Bibeltraditionen auseinander. Die Schlachter-Linie liest das Wasser als stilles — und Matthew Henrys Auslegung beruht ausdrücklich auf dieser Stille, weshalb der Kommentar dieser Ausgabe vom selben Wort spricht wie der Vers darüber. Die Luther-Linie betont stattdessen die Frische des Wassers. Beides ist bezeugt; wer den Unterschied sehen will, braucht ihn nur oben nachzulesen.
Wofür die grünen Auen stehen
Für Gottes Versorgung durch gewöhnliche Mittel und nicht für eine ideale Landschaft. Henry
benennt sie unumwunden: Gottes Gnadenmittel sind die grünen Auen, auf denen für alle
Gläubigen Nahrung bereitsteht
, und er fügt hinzu: das Wort des Lebens ist die Nahrung des
neuen Menschen
. Das Bild zeigt eine Herde, die gefüttert wird, wohin man sie auch führt,
Woche für Woche — keine malerische Rast.
Und die Weide nutzt sich nicht ab. Henry beschreibt sie als unerschöpflich: Es ist Milch
für die Unmündigen, Weide für die Schafe, nie unfruchtbar, nie kahl gefressen, nie verdorrt,
sondern immer eine grüne Aue, auf der der Glaube weiden kann
. Wer aus dieser Quelle seit
Jahrzehnten liest, findet sie nicht leergelesen vor — das ist die Pointe des Bildes, und sie
lässt sich prüfen.
Weiter zu Vers 3, wo aus der Versorgung Führung wird — und aus dem satten Schaf ein verlaufenes.