Vers 5 · Der Tisch
Vom Hirten zum Gastgeber
Nach dem Tal kein Rückweg zur Weide, sondern ein gedeckter Tisch: Der fünfte Vers wechselt den Schauplatz — und behandelt das Schaf plötzlich wie einen Ehrengast.
Psalm 23, Vers 5 · Schlachter 2000 Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über.
Was sich ändert — und was nicht
Der Schauplatz. Aus der Weide wird ein Tisch, und das Schaf wird wie ein Gast behandelt:
bedient, gesalbt, reicher beschenkt, als es fassen kann — und die Feinde sehen zu. Matthew Henry
liest diese Fülle als bewusst umfassend: Reichliche Versorgung ist bereitet für ihren Leib,
für ihre Seele, für das Leben, das jetzt ist, und für das, welches kommen wird
. Die
Feindschaft verschwindet nicht aus der Szene. Sie bestimmt sie nur nicht mehr.
Henrys knappere Formel für dieselbe Weite: Die Versorgung reicht auf alles, was für Leib
und Seele erforderlich ist, für die Zeit und für die Ewigkeit
. Man beachte, was der Vers
damit gerade nicht verspricht — dass die Gegner vom Tisch verschwinden. Das Mahl findet vor
ihren Augen statt. Der Psalm kennt keine Welt ohne Widerstand; er kennt einen Gastgeber, der
sich davon die Bewirtung nicht diktieren lässt.
Öl auf dem Kopf und ein übervoller Becher sind im alten Orient die Zeichen des geehrten Gastes: Wer so empfangen wird, ist nicht geduldet, sondern gewollt. Damit ist der Weg des Psalms fast zu Ende gegangen — es fehlt nur noch die Frage, wie lange das gilt. Vers 6 antwortet mit einer Zeitangabe.