Vers 3 · Die Führung
Ein Vers, der zugibt, dass Schafe sich verlaufen
Der dritte Vers unterbricht das Idyll mit einem Eingeständnis: Das Tier, das eben noch am Wasser lag, findet allein nicht zurück. Genau dafür gibt es den Hirten.
Psalm 23, Vers 3 · Schlachter 2000 Er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Rettung, nicht Nachbesserung
Was heißt es, dass Gott hier die Seele erquickt? Dass der Hirte dem Tier nachgeht, das sich
verlaufen hat. Henry betont, dass es sich um Rettung handelt und nicht um freiwillige
Nachbesserung: täte er es nicht, so würden sie endlos umherirren und verloren gehen
. Der
Vers setzt voraus, dass Schafe sich regelmäßig verlaufen und dass die Korrektur von außen kommen
muss. Erquickung heißt hier Rückkehr auf den Weg, nicht ein Wechsel der Stimmung.
Die zweite Vershälfte macht die Führung dauerhaft — und beteiligt den Geführten. Henry
formuliert den Anteil des Lesers so: Auf diesen Pfaden können wir nicht gehen, wenn Gott uns
nicht sowohl in sie hineinführt als auch auf ihnen weiterführt
. Zwei Verben, zwei Stufen:
den Weg gewiesen zu bekommen ist das eine, auf ihm gehalten zu werden das andere. Der Psalm
rechnet mit beidem, weil er das Verlaufen ohne Beschönigung einkalkuliert hat.
Damit ist die gewöhnliche Fürsorge der Verse 1 bis 3 vollständig: Nahrung, Ruhe, Richtung. In Vers 4 wechselt das Gelände — und der Ton der Suchenden, die diesen Vers finden wollen, ist ein anderer.