Der zweite Psalm dieser Ausgabe
Psalm 91: der Schutzpsalm im Überblick
Wo Psalm 23 von der Fürsorge eines Hirten spricht, spricht Psalm 91 von der Sicherheit einer Festung. Zur Einordnung, bevor der Text kommt: Wer hier spricht, zu wem — und in welcher Reihenfolge.
Psalm 91 trägt keine Überschrift und nennt keinen Verfasser; die Ausleger haben seit der Antike an Mose gedacht, dem der vorangehende Psalm zugeschrieben ist, oder an David — entschieden ist die Frage nie worden, und für die Kraft des Textes hat das erkennbar keine Rolle gespielt. Auffällig ist etwas anderes: Der Psalm wechselt mehrfach die Sprechrichtung. Er beginnt mit einem Grundsatz über den, der im Schutz des Höchsten wohnt, wendet sich dann in direkter Anrede an den Leser — du — und endet damit, dass Gott selbst das Wort nimmt und acht Zusagen hintereinander ausspricht.
Daraus ergeben sich vier Abschnitte, die man beim Lesen mitzählen kann. Die Verse 1 und 2 stellen die Regel auf und beantworten sie mit einem persönlichen Bekenntnis. Die Verse 3 bis 8 listen die Gefahren — Schlinge, Seuche, Schrecken der Nacht, Pfeil des Tages — und sagen ihnen die Bewahrung zu. Die Verse 9 bis 13 übertragen den Schutz an Boten: Engel erhalten einen Auftrag mit einem Geltungsbereich, den Wegen dessen, der sich dem Höchsten anvertraut hat. Und in den Versen 14 bis 16 antwortet Gott selbst — die einzige Stelle des Psalters, an der eine so lange Kette von Ich-Zusagen einen Schutzpsalm beschließt.
Wer beide Psalmen dieser Ausgabe nacheinander liest, bemerkt die Arbeitsteilung: Psalm 23 beruhigt mit der Nähe eines Begleiters, Psalm 91 mit der Reichweite eines Schutzes. Die Vers-für-Vers-Lektüre, die diese Ausgabe dem 23. Psalm widmet, folgt für Psalm 91, sobald die Nachfrage nach seinen Einzelversen gemessen ist; bis dahin steht er hier vollständig zum Lesen.
Psalm 91 · Schlachter 2000 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt, der bleibt unter dem Schatten des Allmächtigen. Ich sage zu dem Herrn : Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue ! Ja, er wird dich retten vor der Schlinge des Vogelstellers und vor der verderblichen Pest ; er wird dich mit seinen Fittichen decken, und unter seinen Flügeln wirst du dich bergen; seine Treue ist Schirm und Schild. Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht, vor dem Pfeil, der bei Tag fliegt, vor der Pest , die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag verderbt. Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen; ja, mit eigenen Augen wirst du es sehen, und zuschauen, wie den Gottlosen vergolten wird. Denn du [sprichst]: Der Herr ist meine Zuversicht! Den Höchsten hast du zu deiner Zuflucht gemacht; kein Unglück wird dir zustoßen und keine Plage zu deinem Zelt sich nahen. Denn er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. Auf den Löwen und die Otter wirst du den Fuß setzen, wirst den Junglöwen und den Drachen zertreten. »Weil er sich an mich klammert, darum will ich ihn erretten ; ich will ihn beschützen, weil er meinen Namen kennt. Ruft er mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn befreien und zu Ehren bringen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und ihn schauen lassen mein Heil!«